Schwarzer und grüner Tee bei Herpes – Anwendung und Erfahrungen

Von Dr. Jan Seibel, ERT. Promovierter Biologe, Toxikologe und seit über zehn Jahren in der Arzneimittelentwicklung tätig.

Hilft schwarzer oder grüner Tee gegen Herpes (Genitalherpes und Lippenherpes)?

Tee enthält sogenannte Catechine und Theaflavine, die in einer klinischen Studie mit Patienten die Infektion durch Herpesviren reduzierten. Im Labor konnte gezeigt werden, dass Tee-Polyphenole direkt gegen die Reproduktion des Herpesvirus wirken. Ob die in Tee vorhandene Konzentration dieser Stoffe jedoch ausreichend ist, um effektiv gegen Herpesviren zu wirken, ist nicht bekannt.

Wirkungsbelegende Studien

Eine Studie mit einem aus der Teepflanze gewonnenen Catechin bewirkte eine Verminderung des Auftretens von Lippenherpes-Infektionen.

In der Studie wurden 40 Patienten auf zwei Gruppen aufgeteilt, wobei eine Gruppe den Wirkstoff Epigallocatechin-3-Gallat und die andere Gruppe ein Placebo erhielt. Die Präparate wurden sechs- bis achtmal täglich auf die Haut aufgetragen.

Der Tee-Wirkstoff bewirkte eine deutliche Verkürzung der Herpes-Episode mit verminderter Bläschen- und Ulkusbildung von drei auf einen Tag. Auch die Dauer des Juckreizes wurde durch den Wirkstoff gegenüber vier Tagen in der Kontrollgruppe auf einen Tag stark verkürzt.

Nebenwirkungen wurden in der Studie nicht berichtet.

In der Studie wurde allerdings kein Tee, sondern ein pharmazeutisches Produkt getestet, das den Tee-Wirkstoff Epigallocatechin-3-Gallat enthielt. Es ist damit nicht klar, ob die gleiche Wirkung auch durch das Aufbringen von schwarzem oder grünem Tee auf die Haut erzielt werden kann.

Erfahrungsberichte

Obwohl schwarzer und grüner Tee in einer Reihe von Gesundheitsblogs als wirksam bei Herpes beschrieben werden, sind belegende Erfahrungsberichte im Internet nicht zu finden.

Anwendung

So wird die Anwendung beschrieben: Ein Teebeutel mit schwarzem Tee wird 1-5 Minuten in heißem Wasser aufgebrüht und anschließend – gegebenenfalls im Kühlschrank – abgekühlt. Anschließend wird der Beutel für einige Minuten auf die Herpesbläschen gelegt. Diese Prozedur wird täglich einige Male wiederholt.

Oft gestellte Fragen

Helfen auch andere Teesorten gegen Herpes?

Obwohl Theaflavine und Catechine nur in echtem Tee (Camellia sinensis) enthalten sind, werden positive Effekte auch anderen Kräuterinfusionen zugeschrieben. So werden Tees aus Zitronenmelisse, Thymian, Kamille als wirksam beschrieben, erfordern aber eine genauere Prüfung von unserer Seite.

Auch aus anderen Heilpflanzen wie Cistus, Lapacho, Ingwer, Salbei und Süßholztees zubereitete Tees sind beliebte Hausmittel, dürften aber nur in hoher Konzentration eine Wirkung zeigen. Hilft die Teeanwendung gegen Herpes im Mund?

Ein in den Mund gelegter, zuvor aufgebrühter, Teebeutel sowie Spülungen mit hoch konzentriertem Tee sollen bei Herpes im Mund theoretisch wirksam sein. Erfahrungsberichte sind dafür aber nicht zu finden.

Ist der Einsatz von schwarzem oder grünem Tee bei Herpes empfehlenswert oder sollte davon abgeraten werden?

Auch wenn die Wirksamkeit gegen Herpes am Menschen nur für konkrete Inhaltsstoffe belegt ist, spricht einerseits nichts gegen den Versuch, Herpes mit schwarzem oder grünem Tee individuell zu behandeln. Schädliche Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Positive allerdings auch nicht, da die Konzentration des Wirkstoffes zu gering ist.

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