Syphilis Behandlung: 90 Jahre altes Antibiotikum wirkt immer noch

By David | Syphilis (Lues)

Die Behandlung von Syphilis ist in der Regel sehr unkompliziert. Erst bei Schwangerschaft, Allergie gegen Antibiotika oder fortgeschrittenen Syphilis-Stadien muss die Behandlung etwas angepasst werden.

Wie wird Syphilis behandelt? Meistens wird Syphilis mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt, welches als in den Gesäßmuskel gespritzt oder als Infusion verabreicht wird. Hat der Patient eine Penicillin-Allergie, so kann man auf Antibiotika wie Doxycyclin und Ceftriaxon ausweichen. 

In den meisten Fällen ist die Behandlung also sehr simpel.

Schauen wir uns nun an, wie die Dosis und Dauer an das jeweilige Syphilis-Stadium angepasst werden muss und welche Antibiotika man bei Allergie oder Schwangerschaft einsetzen muss.

Eingesetzte Antibiotika

Die Diagnose und Behandlung von Syphilis erfolgt durch den Hausarzt, Venerologen oder Hautarzt.

Je nach Situation (wie Allergie, Schwangerschaft) und Stadium der Krankheit kann der Arzt verschiedene Antibiotika und höhere Dosen verschreiben.

Penicillin als Antibiotikum der Wahl

Bei Syphilis ist das Antibiotikum der ersten Wahl Penicillin.

Das Bakterium Treponema pallidum, das Syphilis verursacht ist immer noch sehr empfindlich gegen das Antibiotikum und konnte bislang keine Resistenz bilden.

Je nach Stadium der Krankheit muss allerdings die Dosis gesteigert und wiederholt werden.

Penicillin in der Frühsyphilis

Bei der Therapie einer Frühsyphilis reicht meistens eine einmalige Dosis Penicillin.

Dafür spritzt der Arzt das Antibiotikum einmalig in den Gesäßmuskel und schon bald kann der Patient damit rechnen, dass die Syphilis Symptome aufhören.

Penicillin in der Spätsyphilis

Bei Spätsyphilis hat der Syphilis Erreger bereits die inneren Organe angegriffen und eine einmalige Dosis Penicillin ist nicht mehr ausreichend.

Darum sind bei einer Spätsyphilis ca. 3 Injektionen von Penicillin nötig. Zwischen den Injektionen liegen dann mehrere Tage.

Bei Allergie gegen Penicillin muss auf andere Antibiotika ausgewichen werden und diese müssen dann auch länger eingenommen werden.

Bei Doxycyclin ist die Dauer der Behandlung dann über 28 Tage.

Penicillin in der Neurosyphilis

Bei Neurosyphilis ist das Syphilis Bakterium bis in den Rückenmark und das Gehirn vorgedrungen und kann nur mit sehr hohen Dosen Antibiotika erreicht werden.

Eine Neurosyphilis erfordert meist eine stationäre Behandlung.

Dabei wird dem Patienten täglich eine hohe Dosis Penicillin intravenös verabreicht, bzw. es werden bei Allergie täglich andere Antibiotika als Tabletten eingenommen.

Alternative Antibiotika bei Penicillin Allergie

Manchmal kommt es vor, dass der Patient allergisch auf das Penicillin reagiert.

In diesen Fällen weicht man auf die Antibiotika Doxycyclin, Erythromycin oder Ceftriaxon aus.

In den Frühstadien reicht es, wenn die Antibiotika 2 Wochen lang täglich eingenommen werden.

Wenn das Antibiotikum Ceftriaxon gewählt wird, so kann es auch als Kurzinfusion täglich über 10 Tage verabreicht werden.

Bei der Spätsyphilis verlängert sich die Dauer der Behandlung, sodass man z.B. Doxycyclin 28 lang oder länger einnehmen muss.

Bei der Neurosyphilis muss wiederum die Dosis der alternativen Antibiotika erhöht und die Dauer verlängert werden, wie genau entscheidet der behandelnde Arzt je nach Situation.

Behandlung in der Schwangerschaft

Syphilis sollte in der Schwangerschaft immer behandelt werden, da sich die Krankheit sonst auf das Kind übertragen kann.

Die Therapie erfolgt immer mit Penicillin, da andere Antibiotika dafür meist ungeeignet sind. So kann beispielsweise das Antibiotikum Doxycyclin das Baby gefährden oder Erythromycin eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung auslösen.

Hat die Frau eine Allergie gegen Penicillin, so kann eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden.

Dabei werden stückchenweise immer höhere Dosen an Penicillin verabreicht, sodass sich das Immunsystem nach und nach an den Stoff gewöhnen kann.

In seltenen Fällen wird Syphilis bei Schwangeren auch mit Ceftriaxon therapiert werden. Was Dosis und Dauer angeht, gilt dann dasselbe wie bei nicht Schwangeren.

Behandlung von HIV-Infizierten

Bei Betroffenen, die mit HIV infiziert sind, verläuft die Syphilis meist schwerer.

Der Zeitraum zwischen den verschiedenen Stadien ist kürzer und die Betroffenen zeigen untypische Symptome.

Zusätzlich ist die Diagnostik erschwert, weshalb der Arzt vermehrt auf die äußeren Anzeichen für eine Syphilis achten muss.

Ansonsten erfolgt die gleiche Behandlung wie bei Nicht-HIV-Infizierten.

Laut AWMF kommt es häufiger zu einem Versagen der Therapie, insbesondere in “höherem Alter”.

Nachuntersuchung

Ob die Behandlung erfolgreich war, wird in mehreren Nachuntersuchungen getestet.

Diese erfolgen im Abstand von mehreren Monaten.

Dabei entnimmt der Arzt dem Patienten Blut und testet es auf Art und Menge der Antikörper gegen den Syphiliserreger.

Bei einer Neurosyphilis muss zusätzlich auch die Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) getestet werden.

Behandlungs-Unterschiede bei Frauen und Männern

Die Behandlung von Syphilis ist grundsätzlich bei Frauen und Männern gleich. Von Bedeutung ist der Geschlechtsunterschied nur dann, wenn die Frau schwanger ist.

Nebenwirkungen der Therapie

Bei der Behandlung von Syphilis mit Penicillin und anderen Antibiotika können die üblichen Nebenwirkungen auftreten:

  • Magen-Darmbeschwerden (Übelkeit und Erbrechen, Blähungen, Durchfall)
  • Mundtrockenheit
  • erhöhte Temperatur
  • Pulsanstieg
  • Schmerzen im Gesäßmuskel
  • Geschmacksveränderungen

Ab der Behandlung des sekundären Stadiums von Syphilis wird Patienten zusätzlich ein Kortisonpräparat verschrieben.

Dieses dient dazu die sogenannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion zu verhindern.

Ab diesem Stadium ist die Anzahl an Syphilis-Erregern im Körper sehr hoch, sodass bei der Behandlung in sehr kurzer Zeit sehr viele Syphilis-Bakterien zerfallen.

Das führt zu einer Freisetzung von Giftstoffen im Körper, die bei den Patienten beispielsweise zu Fieber, Kopfschmerzen oder Schüttelfrost führen kann.

Folgen der Nicht-Behandlung

Wird eine Syphilis nicht behandelt, so kann das schwere Folgen haben.

Bei circa jedem dritten Patienten in frühen Stadien verschwinden die Symptome der Krankheit auch ohne Behandlung.

Dann kann es zur sogenannten Latenzphase kommen, bei der der Erreger weiterhin im Körper verbleibt, aber keine Symptome auslöst.

Die Syphilis kann dann nach bis zu 10 Jahren (meist 3 bis 4) erneut ausbrechen (Reaktivierung), dann handelt es sich allerdings schon um eine Spätsyphilis.

Bei anderen Patienten kann die Krankheit immer weiter fortschreiten und chronisch werden.

Dann kann es zu einer dauerhaften Schädigung von Organen kommen, die meist auch mit einer erfolgenden Therapie nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Etwa jeder 10. Patient stirbt an den Folgen, wenn die Syphilis nicht behandelt wird.

Außerdem erhöht eine nicht behandelte Syphilis das Risiko andere Krankheiten zu bekommen. Dazu gehören:

  • HIV/Aids
  • Chlamydien
  • Gonorrhoe
  • Humane Papillomviren
  • Trichomonaden-Infektion

Nachweisbarkeit von Syphilis nach der Behandlung

Wenn der Syphiliserreger in die Blutbahn eingetreten ist, werden spezifische Antikörper entwickelt.

Diese können nach etwa zwei bis drei Wochen im Blut nachgewiesen werden und verbleiben dort lebenslang.

Ein Schnelltest auf Syphilis fällt also auch nach erfolgreicher Behandlung positiv aus.

Um herauszufinden, ob es sich um eine alte oder eine neue Infektion handelt, muss ein weitere Test durchgeführt werden, zum Beispiel der sogenannte VDRL-Test (Veneral-Disease-Research-Laboratory-Test) durchgeführt.

Der Test weist Antikörper nach, die das Immunsystem als Antwort auf Syphilis, aber auch andere Krankheiten wie Malaria oder HIV bildet.

Dadurch gibt er Hinweise über entzündliche Prozesse und zerstörtes Gewebe im Körper und zeigt wie aktiv die Krankheit ist.

Was muss man sonst noch beachten?

  • Syphilis wird hauptsächlich beim ungeschützten Verkehr übertragen. Weitere Infos zur Syphilis Übertragung hier.
  • Syphilis verläuft in 3 Stadien und ist bis zum 3.-ten Stadium ansteckend.
  • Infizierte im ersten Stadium sollten deshalb alle Sexualpartner der letzten 3 Monate informieren.
  • Infizierte im zweiten Stadium sollten sogar alle Sexualpartner der letzten zwei Jahre benachrichtigen, damit sie auch behandelt werden.
  • Infizierte sollten auf Geschlechtsverkehr bis zum Abschluss der Behandlung verzichtet werden.
  • Syphilis ist meldepflichtig ist. Das bedeutet, dass Ärzte jede nachgewiesene Syphilis an das Gesundheitsamt melden müssen. Dabei wird aber der Name des Betroffenen nicht weitergegeben.
  • Welcher Arzt behandelt Syphilis? Bei Syphilis kann der Hausarzt, Venerologe oder ein Hautarzt die Diagnose stellen und die Behandlung einleiten.

Oft gestellte Fragen

Kann Syphilis nach der Behandlung erneut auftreten? 

Auch wenn die Therapie erfolgreich war, kann es erneut zu einer Infektion mit Syphilis kommen. Da die Behandlung keine Impfung ist und es auch keinen Impfstoff gegen Syphilis gibt, kann es immer wieder zu einer erneuten Ansteckung kommen.

Kann man Syphilis alternativ behandelt werden und welche homöopathischen Mittel sind verfügbar? 

Zurzeit sind Antibiotika, insbesondere Penicillin die einzigen Mittel, die erfolgreich gegen Syphilis wirken. Es sind keine Haus- oder homöopathischen Mittel bekannt, die wirksam gegen eine Erkrankung mit Syphilis helfen.

Wie wurde Syphilis früher behandelt, als es noch kein Penicillin gab?

Syphilis wird auch als Franzosenkrankheit bezeichnet, weil die Franzosen die Krankheit im Mittelalter von der fehlgeschlagenen Belagerung Neapels mit nach Hause brachten und die erste Syphilisepidemie auslösten.

Damals wurde die Syphilis mit einer Salbe aus Quecksilber behandelt, auf deren Nutzung eine mehrere Tage dauernde Schwitzkur folgte.

Im 16. Jahrhundert wurde dann das sogenannte Guajakholz aus Amerika eingeführt, welches als Wundermittel galt und als Tee oder Sirup eingenommen wurde.

Etwa um 1530 verlor das Guajakholz zunehmend an Bedeutung und andere Mittel wie die Chinawurzel, die Sarsaparille-Wurzel oder Holz des Fenchelholzbaumes wurden genutzt. Auch die Quecksilberkur kam wieder vermehrt zum Einsatz.

Zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert wurde häufig eine Pastille mit dem Namen Pilula hydrargyri oder auch im Englischen “blue mass” genutzt, deren Wirkung ebenfalls auf Quecksilber basierte.

>